Während in der Stadt vielerorts noch die ersten Kaffeetassen gefüllt werden, beginnt beim Ver- und Entsorgungsbetrieb Waltrop bereits der Arbeitstag.
Schon kurz nach sechs Uhr morgens erwacht das Gelände des Ver- und Entsorgungsbetriebs Waltrop zum Leben. Motoren springen an, Rolltore öffnen sich, Kehrmaschinen verlassen die Halle. Während in der Stadt vielerorts noch die ersten Kaffeetassen gefüllt werden, beginnt hier bereits der Arbeitstag. 75 Mitarbeitende halten Waltrop am Laufen, rund 65 von ihnen sind täglich draußen unterwegs. Sie reinigen Straßen, reparieren Wege, pflegen Grünanlagen, kontrollieren Kanäle und sorgen dafür, dass Dinge funktionieren, die meistens erst auffallen, wenn sie es einmal nicht tun.
Karsten Molitor, Leiter der Straßenunterhaltung und Straßenreinigung, kennt nahezu jede Straße in Waltrop. Sein Arbeitsplatz ist die Stadt selbst. Jede Straße, jede Problemstelle, jeder kleine Schaden gehört zu seinem Alltag. Sein Anspruch ist klar: Schäden möglichst beheben, bevor sie größer werden. „Wir versuchen alles zu retten und Gefahrenstellen schnell zu beseitigen“, sagt er. Einfach sei das nicht.
Rechtslenker
Während Molitor erzählt, rollt eine der beiden großen Kehrmaschinen langsam über den Hof. Am Steuer sitzt Andreas Weinrich. Kaum ausgestiegen, muss er selbst schmunzeln. „Bei der Kehrmaschine ist der Lenker rechts. Abends steige ich manchmal aus Gewohnheit in mein Auto und sitze auf der falschen Seite.“ Berufskrankheit, sagt er und lacht. Zu seinem Alltag gehören aber nicht nur lange Touren durch Waltrop, sondern auch kuriose Anrufe. „Manchmal melden Leute, die Kehrmaschine sei noch gar nicht da gewesen. Dabei war ich schon früh am Morgen in der Straße unterwegs.“ Zwei Kehrmaschinen reinigen Tag für Tag die Straßen Waltrops. „Anrufe, die sich beschweren, weil nach dem Heckenschnitt angeblich noch keine Kehrmaschine vorbeigefahren sei, gehören für ihn fast schon zum Berufsalltag“, sagt Karsten Molitor mit einem Lachen.
Ein paar Schritte weiter wartet schon das nächste ungewöhnliche Fahrzeug. Für die Reinigung der Innenstadt setzt der Betrieb ein speziell ausgerüstetes E-Bike ein, das man halb im Stehen fahren kann. Mit Sauger, Greifzange, Besen und Platz für die Papierkorbentleerung kommt es dorthin, wo keine großen Maschinen hinpassen würden. Andreas Duffner-Hansmann startet damit seine Runde. Sein Fahrzeug fährt maximal 25 Stundenkilometer, dafür erreicht es Rad- und Gehwege besonders zuverlässig. Rund 18 Kilometer legt er damit täglich zurück. „Man ist etwas langsamer unterwegs, dafür entgeht einem auch nichts“, sagt er.
Eine weitere Besonderheit des Betriebs zeigt sich bei den Straßenarbeiten, die im gesamten Stadtgebiet ausgeführt werden. Für Reparaturen muss Asphalt nämlich die richtige Temperatur haben. Ist das Material zu kalt, wird es zäh und lässt sich kaum noch sauber verarbeiten. Mit einem speziellen Thermobehälter kann das Material auf Temperatur gehalten werden. Eine Technik, die nicht jeder Betrieb besitzt und den „Jungs auf der Straße“ die Arbeit erheblich erleichtert.
Bei allem unter der Erde beginnt der Aufgabenbereich von Frank Friedrich, Leiter der Abwasserabteilung. Rund 160 Kilometer Kanalnetz verlaufen unter Waltrop. Statt regelmäßig in die Schächte hinabzusteigen, kommt heute moderne Kameratechnik zum Einsatz. Eine Schiebekamera liefert Bilder direkt und macht viele Kontrollen deutlich sicherer. Nur in Ausnahmefällen müssen Mitarbeitende noch in die Kanalisation hinunter.
Netzkontrolle
Kontrolliert wird das Netz regelmäßig, Ablagerungen werden überprüft und bei Bedarf entfernt. 19 Schmutzwasserpumpwerke sowie sechs Anlagen zur Regenwasserbehandlung und 17 Regenrückhaltebecken sorgen dafür, dass das System auch bei Starkregen funktioniert, berichtet Friedrich.
Dass der Beruf auch kuriose Geschichten schreibt, zeigt eine seiner Anekdoten. „Ein Mann meldete sich verzweifelt, weil er nach einer feuchtfröhlichen Nacht sein Gebiss in der Toilette verloren hatte. Das haben wir leider nicht mehr gefunden“, erzählt Friedrich schmunzelnd. Die Hoffnung, es wiederzufinden, musste Friedrich allerdings schnell nehmen. „Ich fürchte, das war längst in der Kläranlage.“
LED-Technik
Auch Dario Esposito sorgt dafür, dass Waltrop funktioniert und auch nach Sonnenuntergang sicher bleibt. Viele Leuchten wurden inzwischen auf moderne LED-Technik umgestellt. Trotzdem reißen die Meldungen nicht ab. „Die kuriosesten Beschwerden? Manche finden eine Laterne zu hell, andere beschweren sich, weil sie das eigene Grundstück nicht mehr ausleuchtet“, erzählt er schmunzelnd. Defekte Lampen entdeckt er manchmal sogar ganz nebenbei. „Wenn ich auf dem Heimweg bin und sehe, da stimmt etwas nicht, schaue ich natürlich hin.“
Dass der Betrieb weit mehr leistet als Straßen und Technik, zeigt schließlich ein Blick ins Grüne. Damit Waltrop nicht nur funktioniert, sondern auch gepflegt aussieht, ist Gartenmeister Hendrik Vollmer mit seinem Team für die Grünanlagen verantwortlich. Ob Parks, Beete oder Straßenbegleitgrün: Seine Arbeit sorgt dafür, dass zwischen Asphalt, Fahrzeugen und Technik auch das Stadtgrün seinen Platz behält.
Auch Jürgen Schneider hat einen wichtigen Bereich unter sich. Er kümmert sich um Heizungs- und Fernwirktechnik in Gebäuden wie Schulen und Sporthallen. Hinter den Kulissen laufen viele technische Prozesse, die niemand bemerkt, solange alles funktioniert.
Der Ver- und Entsorgungsbetrieb ist weit mehr als Müllabfuhr und Kanaldeckel. Hinter jeder sauberen Straße, jeder funktionierenden Laterne und jedem gepflegten Kanal stehen Menschen, die ihre Arbeit mit Erfahrung, technischem Können und einer guten Portion Humor erledigen. Meist lange bevor Waltrop überhaupt richtig wach geworden ist.