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Arbeit, die hilft - Hilfe, die wirkt
Da, wenn‘s brenzlig ist: Andrea Baegerau unterstützt ihre Klienten in der Beratungsstelle Arbeit der Diakonie im Kirchenkreis Recklinghausen. Foto: Marco Stepniak

Arbeit, die hilft - Hilfe, die wirkt

Lesedauer: ca. 2 Min. | Text: Laura Tirier-Hontoy

Ausbleibende Löhne, unsichere Jobs: Die Beratungsstelle Arbeit der Diakonie im Kirchenkreis Recklinghausen bietet Hilfe, Orientierung und Entlastung – in den letzten Jahren in enger und guter Zusammenarbeit mit dem Ökumenischen Arbeitslosenzentrum Recklinghausen e.V.

Simon L.* sitzt am Tisch der Beratungsstelle, die Hände gefaltet, mit ruhiger Körperhaltung aber Wut im Blick. „Ich hatte schlicht gar nichts mehr“, sagt er. Monatelang musste er immer wieder um seinen Lohn kämpfen, ständig bangen, ob am Ende des Monats genug für Essen und das Dach über dem Kopf übrigbleibt, obwohl er jeden Tag zur Arbeit ging. Unterstützung erhielt er kaum; sein Arbeitgeber stellte sich quer und drohte ihm am Ende sogar. Erst durch die Unterstützung der Beratungsstelle Arbeit der Diakonie im Kirchenkreis Recklinghausen bekam er wieder Boden unter den Füßen: Die Beraterinnen schrieben Briefe, setzten Fristen, klärten ihn über seine Rechte auf und halfen schließlich, diese auch durchzusetzen.

Kein Einzelfall

Viele Menschen, die zur Beratungsstelle kommen, erzählen ganz ähnliche Geschichten: Löhne, die zu spät oder gar nicht ausgezahlt werden. Verträge, die so unklar formuliert sind, dass man kaum versteht, was gilt oder was rechtlich überhaupt erlaubt ist. Schwierigkeiten bei Anträgen oder Leistungen, bei denen man irgendwann den Überblick verliert. „Solche Fälle sind längst keine Einzelfälle“, berichtet Andrea Baegerau von der Beratungsstelle. „Immer mehr
Menschen geraten in ausbeuterische Arbeitsverhältnisse.“ Verträge mit 60-Stunden-Wochen, pauschalen Strafzahlungen oder unklaren Arbeitszeiten landen regelmäßig auf ihrem Tisch. Für genau solche Situationen sind sie da, um Stabilität zu geben und zusammen den Weg durch den Dschungel der Bürokratie zu gehen. Die Gespräche sind vertraulich, kostenlos und für viele Klienten das erste Mal, dass wirklich jemand zuhört.

Oft liegt das Problem nicht nur am Arbeitsplatz selbst, sondern auch am manchmal undurchsichtigen System. Formulare, Fristen, Nachweise – wer ohnehin unter Druck steht, kann da schnell durcheinanderkommen. „Klienten berichten häufig, dass gerade die Schnittstellen kritisch sind, zum Beispiel die Übergänge zwischen dem Ende eines Arbeitsverhältnisses und dem Leistungsbezug“, so Baegerau. Viele ihrer Klienten durchleben existenzielle Ängste, manche hätten Sorge, ihre Wohnung zu verlieren. „Das macht einen krank“, sagt Simon L.

Der Wille zur Arbeit

Für ihn ist klar: Er will arbeiten. „Ich möchte raus, was schaffen, meinen Teil beitragen“, sagt er. Arbeit gebe Struktur und Wertschätzung, aber eben nur, wenn die Bedingungen fair sind. Andrea Baegerau bestätigt diesen Eindruck: „Die meisten Menschen, die hier sitzen, wollen arbeiten, oft lieber heute als morgen. Sie scheitern nicht am fehlenden Willen, sondern an undurchsichtigen Arbeitgebern, befristeten Jobs und einem komplexen System.“ Genau an dieser Stelle beginne die eigentliche Aufgabe der Beratungsstelle: Menschen zu unterstützen, damit Arbeit wieder möglich wird. Ohne Angst und ohne Ausbeutung.

*Name geändert

Info Diakonisches Werk im Kirchenkreis Recklinghausen
Diakonie im Kirchenkreis Recklinghausen

Elper Weg 89
45657 Recklinghausen

www.diakonie-kreis-re.de

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